Steinkreuzweg für Kinder

Dieser Steinkreuzweg entstand im Jahr 2020.

In Kleinbardau bei Grimma (Sachsen) findet in jedem Jahr in der Passionszeit ein Bilderkreuzweg statt. Mit Bildern, Orgelmusik und Gebeten denken wir über das Leiden nach und gehen Jesu Weg mit.

Im Jahr 2020 war uns das auf diese Weise leider nicht möglich. Deshalb ist die Idee des Steinkreuzweges entstanden. Acht Bilder, mit Acrylstiften auf Stein gemalt, folgen dem Leidensweg Jesu bis Ostern. Sie waren entlang des Friedhofsweges ausgelegt, so dass jeder bei seinem persönlichen Spaziergang dem Kreuzweg folgen konnte. Die folgende Kreuzwegversion ist für Kinder entstanden.

Steinkreuzweg

Manchmal müssen wir Wege gehen, vor denen wir uns fürchten. Wir können nicht einfach davonlaufen. Wir können auch nicht einfach gar nichts tun. Wir müssen mit unserer Angst weitermachen.

Wir können uns aber auf unserem Weg Gott anvertrauen. Wir vertrauen darauf, dass er es gut werden lässt. Selbst wenn es nicht danach aussieht. Denn unser Gott liebt das Leben.

Deshalb erzähle ich dir von Jesus in Jerusalem. Ich erzähle dir vom Kreuzweg.

1) Jesus war mit seinen Freunden, den Jüngern, an vielen Orten in Galiläa unterwegs gewesen. Er hatte Menschen von Gott erzählt, hatte geheilt und außergewöhnliche Dinge getan. Viele Menschen hatten von ihm gehört.

Jetzt ist er mit den Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem. Sie wollen dort das Passahfest feiern. Jesus weiß, er hat Feinde in Jerusalem. Doch er fühlt, dass er jetzt nach Jerusalem gehen muss.

Unterwegs besorgen ihm die Jünger einen Esel. So kommt Jesus auf einem Esel nach Jerusalem. Als er die Straße entlangreitet, jubeln ihm die Menschen zu. Sie feiern ihn wie einen König. Sie legen Palmenzweige und Kleidungsstücke auf den Weg wie einen Teppich.

Wie passen Jubel und Angst zusammen?

Kann der Jubel die Angst wegwischen?

Oder wischt die Angst den Jubel weg? Jesus weiß, dass die Menschen ihn nicht verstanden haben. Das was sie von ihm erwarten, kann er ihnen nicht geben. So ein König ist er nicht.

2) Am Abend sitzt Jesus mit seinen Freunden beieinander beim Passahmal. Sie feiern das große Freiheitsfest. Sie erinnern sich: Gott hat das Volk Israel aus der Gefangenschaft in Ägypten befreit. Das ist ein Freudenfest. Ein Gott, der so etwas tut, der liebt das Leben. Auf den kann man vertrauen.

Als sie so beieinandersitzen, nimmt Jesus plötzlich das Brot. Er teilt es mit seinen Freunden und sagt: „Das ist mein Leib für euch gegeben“. Danach nimmt er den Kelch: „Das ist mein Blut, das für euch vergossen wird“.

In die Freude zieht eine ernsthafte Stille ein. Was tut Jesus da? Was meint er damit?

Dass Jesus von seinem Tod spricht, wissen die Freunde nicht. Darauf sind sie nicht vorbereitet.

Dem Tod gehen die meisten Menschen lieber aus dem Weg.

3) Es ist dunkel. Nicht nur die Nacht draußen, auch in Jesus drin ist es dunkel. Er hat Angst vor dem, was kommen wird. Von seinen Freunden umgeben, fühlt er sich allein. In einen Garten zieht er sich zurück, um zu beten.

An Gott kann ich mich wenden, wenn mir sonst keiner hilft. An Gott kann ich mich wenden, wenn meine Ängste mich zu verschlingen drohen.  An Gott kann ich mich wenden, wenn ich Kraft brauche. Deshalb betet Jesus. Dann kommen die römischen Soldaten und nehmen ihn gefangen. Judas, ein Freund, hat Jesus verraten. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

4) Jesus wird zu Pontius Pilatus gebracht. Pontius Pilatus ist römischer Präfekt. Das ist einer, der bei den Römern viel zu sagen hat. Er soll feststellen, ob Jesus an etwas schuldig ist. Dann müsste Pontius Pilatus ihn verurteilen. Doch Pontius Pilatus kann keine Schuld bei Jesus finden.

Viele Menschen in Jerusalem wollen trotzdem, dass Jesus stirbt. Sie schreien: „Ans Kreuz mit ihm!“.

Pontius Pilatus wäscht sich die Hände. Mit der Verurteilung von Jesus will er nichts zu tun haben. Seine Hände sind sauber. Keiner nimmt gern Schuld auf sich. Lieber versuchen wir, sie anderen zuzuschieben. Aber geht Schuld davon weg?

5) Jesus wird verurteilt. Er muss selbst den schweren Balken nach Golgotha schleppen. Dort auf dem Berg soll er gekreuzigt werden.

„Der trägt sein Kreuz“, sagt man über Menschen, die etwas Schweres im Leben aushalten müssen. Solche Menschen müssen mit einer schweren Krankheit leben. Oder etwas Wichtiges in ihrem Leben hat nicht geklappt. Oder ihnen ist ein lieber Mensch gestorben.

Leid und Schmerz aushalten, das braucht viel Kraft. Jesus hat sein Kreuz getragen. Er ist seinen Weg weiter gegangen.

6) Als Jesus gefangen genommen worden war, verspotteten ihn die Soldaten. Sie setzten ihm eine stachelige Krone aus Dornenzweigen auf den Kopf. Sie schlugen ihn. Sie fielen vor ihm auf die Knie und riefen: „Sei gegrüßt, du König der Juden!“

Jetzt auf dem Berg Golgotha nageln die Soldaten Jesus an Kreuz.

Immer wieder fügen Menschen anderen Menschen Schmerz zu. Manchmal sind die Wunden äußerlich sichtbar. Andere Verletzungen, die wir einander zufügen, können wir nicht sehen. Wir spüren sie nur ganz tief in uns drin. Sie entstehen durch böse Worte oder wenn wir bei etwas nicht dabei sein dürfen, wo wir gerne dabei wären.

Das uns so etwas passiert, das möchten wir nicht. Doch immer wieder tun wir so etwas anderen an. Jesus nimmt all diese Verletzungen und die Schuld mit an seinem Kreuz. Er bringt sie zu Gott.

7) Jesus hängt am Kreuz. Mit ihm sterben zwei Verbrecher. Jesus fühlt sich von Gott verlassen.

„Warum?“, fragen viele, denen etwas Schlimmes geschieht, „Warum passiert mir das?“. Wem etwas Schlimmes widerfährt, der kann Gott manchmal nicht mehr spüren. Er zweifelt an Gott. Er fragt: „Gibt es dich wirklich, Gott? Was für ein Gott bist du?“

Alles scheint sinnlos. Alles ist zu Ende. Manchmal ist es kaum noch auszuhalten.

Das hat Jesus am Kreuz auch erlebt. Er kennt den Schmerz. Er kennt das Verlassen-Sein.

Mit Jesus, seinem Sohn, hat Gott mitgelitten. Er leidet mit jedem Menschen mit, dem Schlimmes widerfährt. Er verlässt uns nicht, auch wenn wir ihn nicht spüren können.

8) Jesus ist tot. Begraben. Ein dicker, schwerer Stein liegt vor dem Grab. Alles zu Ende.

Doch unser Gott ist ein Gott des Lebens. Der dritte Tag ist der Tag der Rettung.

Am ersten Tag der Woche machen sich die Frauen auf zum Grab von Jesus. Sie wollten den toten Körper von Jesus mit wohlriechendem Balsam einreiben.

Sie kommen am frühen Morgen am Felsengrab an. Doch der schwere Stein vor der Tür ist weggerollt.

Jesus ist auferstanden. Im Grab ist er nicht mehr zu finden. Er lebt. Seine Sache geht weiter.

Gott schenkt neues Leben. Er ist stärker als der Tod.

Wenn alles zu Ende scheint, bahnt Gott einen neuen Weg.

Gott verlässt keinen, der gestorben ist. Das hat er uns mit Jesus Christus gezeigt. Das ist unsere Zuversicht. Trage sie in deinem Herzen.

© Bilder und Text: Susann Donner

39. Sonntagsflyer zum Letzten Sonntag nach Epiphanias

Seit April letzten Jahres finden Sie an den Kirchhof- und Friedhofstoren der Orte unseres Pfarrbereichs in der Regel wöchentlich unseren Sonntagsflyer. Er ist für all jene gedacht, die keinen Gottesdienst besuchen können oder wollen und für alle, die gern einen neuen Gedankenimpuls zum aktuellen Sonntag des Kirchenjahres mit nach Hause nehmen.

Wir freuen uns, wenn Sie unseren Flyer nicht nur für sich behalten, sondern auch weitergeben – egal ob Sie ihn an den Boxen unserer Kirchhof- und Friedhofstore „in echt“ abholen oder auf dieser Seite herunterladen.

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Lk 6,36): Andacht zur Jahreslosung 2021

© Elke Bussemeier: http://www.bussemeierart.de

Auf unserer Welt ist alles miteinander verbunden. Keiner ist eine Insel. Alles greift ineinander wie die Zähne verschiedener Zahnräder. Wenn ein Rad sich dreht, bewegt sich mindestens auch ein anderes. Manchmal schnell, manchmal langsam. Manchmal nur ein kleines Stück, manchmal mehrere Umdrehungen. Wer weiß schon, was aufgrund einer einzelnen Handlung in Gang kommt oder wegen eines Wortes oder wegen dem, was nicht getan wurde.

Auf unserer Welt ist alles miteinander verbunden:

– Wenn es auf Arbeit wieder einmal zu viel zu tun gibt. Die Dinge unbedingt fertig werden müssen, aber die normale Arbeitszeit einfach nicht dafür reicht. Die Anspannung wächst. Die Kinder werden der Konzentration halber aus dem Zimmer verbannt. Nach einer Weile knallen die Türen und die Kinder, deren Tag bisher ganz gut war, schreien sich an.

– Finanzbedingt wird der Jugendclub eines Ortes geschlossen. Nun treffen sich die Jugendlichen auf dem Spielplatz. Doch die Kleinen gehen nun nicht mehr gerne auf den Spielplatz. Sie haben Angst vor den Großen. Die Musik ist ihnen zu laut.

– Den Mädels von der Sportgruppe noch schnell einen kleinen Neujahrgruß besorgen. Denn die Gemeinschaft ist wirklich großartig. Nur das finanzielle Budget dafür ist leider nicht besonders groß. Und die Zeit für die Besorgung auch schon wieder fast abgelaufen. Einzig der Anbieter mit den billigen Waren aus dem Internet kann es noch richten. Auch wenn seine Waren nicht fair sind. In einem anderen Teil der Welt schuftet ein Ehepaar 14 Stunden täglich in einer Fabrik für einen Billiglohn. Seine Kinder, die bei den Großeltern leben, hat es schon mehrere Monate nicht gesehen.

Auch Dinge, die gewesen sind, sind nicht plötzlich vorbei. Egal ob es sich um ein Menschenleben handelt, die Nach­wirkungen eines Krieges oder die Folgen einer Pandemie. Alles bewirkt irgendwo etwas. Ein Rädchen dreht das andere, auch über das Ende eines Jahres hinaus.

Und mitten in das Schnurren der Rädchen und Räder unserer Welt hinein hören wir mit der Jahreslosung 2021 die Stimme von Jesus:

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Lk 6, 36)

Barmherzig – ein altes Wort. Was bedeutet das? Obwohl es viele mit „Mitleid“ erklären, denke ich nicht, dass es dasselbe ist. Denn ich habe schon oft von Menschen gelesen, die gesagt haben: „Ich will kein Mitleid.“ Noch nie aber habe ich gehört oder gelesen: „Ich will keine Barmherzigkeit.“

Ein Mann, dem nach einem Unfall ein Bein verblieben ist, sagt: „Ich will kein Mitleid, denn es ermöglicht keine Begegnung auf Augen­höhe. Mitleid macht den anderen klein, weil es von oben auf die Defizite schaut.“

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Das Jesuswort verbindet „barmherzig“ mit Gott. Barmherzig sein gehört untrennbar zum Wesen Gottes. Unser Gott, der die Liebe ist, schaut mit liebendem Blick auf sein Gegenüber. Er hilft ihm, seinem Elend zu entkommen.

Barmherzigsein ist etwas, das Gott in unsere Welt hineinträgt. Alle Barmherzigkeit hat ihren Anfang in Gott. Gott überlässt unsere Welt nicht sich selbst. Die leidvollen Rädchen und Räder unserer Welt sollen nicht einfach so wie immer weiterrattern. Das Schwungrad von Gottes Liebe setzt andere Räder in Bewegung.

Seid barmherzig wie auch euer Vater barmherzig ist. Lass dich von Gott bewegen. Schau andere Menschen an, wie Gott sie ansieht: mit liebevollem Blick. Blicke nicht nur auf ihr Versagen, ihr Leid und ihre Fehler. Sondern sieh den ganzen wertvollen, einmaligen Menschen, den Gott geschaffen hat. Dann beginnen sich die Rädchen und Räder unserer krisengebeutelten Welt im neuen Jahr anders zu drehen – bei dir zu Hause, in deinem Dorf, in unserer Welt.//

Ich danke Elke Bussemeier, dass ich ihr Bild zur Jahreslosung 2021 auf dieser Seite nutzen darf. Kontakt zur Website bussemeierart: