Erzählter Kreuzweg mit 7 Großbardauer Emporenbildern

Diesen Kreuzweg widme ich Hanna Reinicke (*1926 † 2021), die bis zu ihrem Lebensende treu an Jesus Christus geglaubt hat.

Ev.-Luth. Kirche Großbardau

Einleitung

Ab wann ist der Kreuzweg ein Kreuzweg? Wenn ich die schwere Last auf meinen Schultern spüre? Wenn sie mich niederdrückt, dass ich dem Abgrund unendlich näher bin als dem Himmel? Oder schon viel früher? Anfangs unbemerkt, schleichend, Schritt für Schritt? –

Im Gehen entsteht der Kreuzweg. Und wer weiß schon vorher, auf welches Ziel er zuläuft?

Foto: U. Härtig
  1. Abendmahl

Noch einmal sind sie alle zusammen. Noch … einmal. – Doch das kommt in ihren Gedanken gar nicht vor. Denn diese Einschätzung gewinnt man erst im Rückblick. Aber sie sind jetzt zusammen. So wie immer seit er sie gerufen hat, ihm zu folgen. Zusammen in vertrauter Gemeinschaft. – Oder ist ihre Welt vielleicht doch nicht ganz heil?

Elf Jünger sitzen mit Jesus am Tisch.

Einer hat Jesus bereits verlassen. Die Gemeinschaft beginnt zu bröckeln. Noch merken sie es kaum. Das gemeinsame Mahl verbindet. Jesus bricht das Brot mit ihnen: „Das ist mein Leib für euch. Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut. Das tut zu meinem Gedächtnis.“ Feierliche Worte. Doch keiner der Freunde kann ihre Bedeutung voll erfassen. Zu viel liegt in diesen Worten.

Aber Jesus ist ihr Mittelpunkt, nicht nur hier in diesem Raum. Auf ihn haben sie ihr Leben ausgerichtet. Gespannt blicken Sie auf ihn, unterhalten sich oder finden in seinem Kreis wie selbstverständlich Platz.

Wer ist er für sie? Ein Heiliger? Wohl kaum. Einer der ihren. Ganz ohne Heiligenschein. Nur das Licht der alltäglichen Zimmerlampe lässt ihn heller scheinen als die anderen.

Noch blicken sie auf ihn. Noch hören sie zu, wenn er spricht. Noch sind die, die jetzt mit ihm zusammensitzen, ganz sicher: „Ich verlasse dich nicht, Jesus. Auf gar keinen Fall.“

In diesem Moment sind die Worte ernst. So gemeint, wie gesprochen.

Aber der Kreuzweg hat gerade erst begonnen. Die Feuerprobe lässt sich noch kaum erahnen. Dann werden menschliche Sätze wie „Ich verlasse dich nicht. Ich bleibe bei dir!“ in die Schranken gewiesen. Was bleibt am Ende von meinem festen Willen und von meiner Selbstsicherheit, wenn es „hart auf hart“ kommt und die Welt unter meinen Füßen schwankt? Bleibe ich mir dann meiner und meines Glaubens gewiss?

EG 228 („Er ist das Brot, er ist der Wein“)
Foto: U. Härtig

2. Gethsemane

Jesus ist allein im Garten Gethsemane. Nicht nur seine Gedanken sind unruhig. Der ganze Körper bebt angesichts dessen, was er kommen sieht – Leid, Schmerz und Tod. Wer kann dabei schon gleichmütig bleiben, wenn das eigene Leben oder das eines geliebten Menschen in Gefahr ist?

Die Seele ist in Aufruhr. Die Gedanken kreisen. Der Körper ist entsetzlich angespannt.

Angesichts solcher Erschütterung und riesengroßer Angst wünscht sich die Seele zur Ruhe zu kommen. Sie zieht sich zurück möglichst weit weg vom normalen Leben, an einen stillen Ort. Gleichzeitig hofft sie, dass da vielleicht doch einer ist, der das Schicksal wendet oder doch wenigstens mitträgt. Ob da einer kommt?

Zuflucht ist bei dem Gott, der von alters her ist. In den Armen des Ewigen bist du geborgen (5. Mo 33, 27a). – Jesus betet. Allein. Im Garten: „Lass es an mir vorübergehen …aber wenn es dein Wille ist, Vater…“

Wofür bete ich in der Not? Für das, was ich will, was mir im Moment am besten scheint? Dass doch noch alles gut wird? Oder dafür, dass ich annehmen kann, wie auch immer alles ausgeht? Dass Leib und Seele ertragen können?

Wozu soll mir mein Gebet verhelfen?

Da erschien ein Engel vom Himmel und gab Jesus neue Kraft (Lk 22,43).

Kraft zum Weitermachen? Kraft, um aufzustehen? Kraft, den Weg zu Ende zu gehen? Kraft, das Schicksal anzunehmen? Kraft zu glauben? Kraft neu anzufangen? Kraft wozu?

EG 86 („Jesu, meines Lebens Leben“)
Foto: U. Härtig

3. Geißelung Jesu

Schritt für Schritt führt der Kreuzweg in die Tiefe. In menschliche Abgründe und in die Abgründe von Schmerz und Leid. Abgründe, die unerträglich sind, nicht nur für den, der sie zu spüren bekommt.

Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln (Joh 19,1).

Wie können Menschen einander so etwas antun? Geht es um Recht haben? Geht es um Macht? Geht es um Geld? Um Glauben? Um das Ausschalten unliebsamer Meinungen?

Gewalt verletzt Körper und Seele. Die Würde geht zu Boden. – Doch hier trägt gerade der Misshandelte den Heiligenschein.

Der Heiligenschein ist in der Kunst ein Zeichen für den, der mächtig ist, erleuchtet, heilig oder göttlich.

Was für ein unergründliches Geheimnis unseres Glaubens! Gerade im Unbedeutenden kommt Gott zur Welt. Der Erniedrigte ist der König. Im Menschlichen wohnt das Göttliche. Die Letzten werden die Ersten sein und die Ersten die Letzten (Mt 19,30). Zeichen für Gottes neue, andere Welt, die mit Jesus Christus anbricht.

Doch noch haben wir – wie auf diesem Bild – die Erniedrigung und das Leid täglich millionenfach vor Augen, nicht das Gerettete und Geheilte. Noch ist Leiden der Anblick unserer Welt. –

Werden wir uns daran gewöhnen oder suchen wir nach dem noch kaum sichtbaren, kleinen Schein, der die Welt für uns in ein völlig neues Licht taucht?

EG 87 („Du großer Schmerzensmann“)
Foto: U. Härtig

4. Mit dem Kreuz unterwegs

Der Kreuzweg geht weiter. Doch jetzt ist das Kreuz sichtbar. Groß und schwer liegt es auf Jesu Schultern. Sie ziehen hinauf nach Golgotha, der Hinrichtungsstätte vor den Toren Jerusalems.

Wie begegnet man diesem Kreuz, das Leid und Tod bedeutet?

Nicht einer auf diesem Bild hat mit dem Kreuz nichts zu tun – so wie auch wir heute immer etwas zu tun haben mit all dem Leid und mit jedem Tod, von dem wir Kenntnis haben.

Unter der Last des Kreuzes kann man fallen.

Die Mutter bleibt Jesus nah. Sie will ihm aufhelfen und schenkt ihm weiterhin ihre Liebe. Sie gibt Kraft und Mut, um den schweren Weg weiter zu gehen.

Simon von Kyrene geht ein Stück des Leidensweges mit. Er hilft, die schwere Last zu tragen.

Aber da sind auch noch andere. Sie sind die deutliche Mehrheit.

Da sind die, denen die Erhaltung der eigenen Macht wichtiger ist, als der Schutz und die Hilfe derer, die leiden.

Da sind die, die an den geltenden Herrschaftsstrukturen nichts ändern wollen, weil sie in ihrem Interesse sind oder weil sie Angst haben.

Und da sind auch die, die die Schwachen mit Gewalt noch weiter niederdrücken. –  

Und wer von all jenen bist du?

Und vielleicht ist es ja so, dass du nicht immer nur derselbe bist.

EG 81 („Herzliebster Jesu“)
Foto: U. Härtig

5. Kreuzigung

Jesus hängt am Kreuz. Festgenagelt. Es gibt kein Zurück. Qualvolles Warten auf den Tod. Und auch wenn andere ebenso leiden und mitsterben, den eigenen Tod stirbt doch jeder für sich allein.

Gedanken. Fragen. Zweifel. Schuld. Klage.

Und hoffentlich auch Vergebung und Hoffnung.

Das Sterben ist die Stunde der Wahrheit über das eigene Leben und über den eigenen Glauben.

Reicht mein Glauben, dass sich nicht alles von mir in Nichts auflöst? Wird etwas bleiben? Oder war alles nichtig?

Kann ich am Ende sagen: „Es war gut so, wie es gewesen ist“ oder steht am Ende ein einziges Bereuen?

Und was wird mit der Schuld, die ich selbst nicht aus der Welt räumen kann? Wenn sie auf mir lasten bleibt, dann wird der Tod mir zum Gericht.

Wir bleiben auf Gott angewiesen, auf seine Retter- und Erlöserkraft – im Leben und im Sterben. Jesus Christus ist es, der die Wunden unseres Lebens zu heilen vermag. Denn in ihm treffen Himmel und Erde, Mensch und Gott zusammen und versöhnen sich. Er vermag das, was schief gelaufen ist, gerade zu richten. Wer sich darauf verlässt, der hat das Leben.

EG 84 („O Welt, sieh hier dein Leben“)
Foto: U. Härtig

6. Grablegung

Die wohl bittersten Momente sind in unserem Leben, wenn wir das, was wir lieben, zu Grabe tragen müssen.

Das Entsetzen ist ihnen noch ins Gesicht geschrieben. Der Schrecken des Kreuzes ist noch längst nicht vorbei. Noch ist das Kreuz zu sehen. Das Leid und der Schmerz mit Händen zu greifen.

Im Tod verliert sogar dieser seltsame Dornenkronenkönig seine Krone.

Und doch – es muss getan werden. Es muss zu Ende gebracht werden.

Der Tod wiegt schwer. Er ist nicht allein zu tragen.

Gemeinsam legen sie ihn ins Grab.

Mit dem gleichen Entsetzen und dem „Es-muss-getan- werden“ stehen auch wir jedes Mal wieder am offenen Grab. Müssen hergeben, was uns lieb ist. Gehen mit dem Gefühl der Leere. –

Nach menschlicher Logik ist das das Ende des Kreuzweges. Nach menschlicher Logik kann da nichts mehr kommen.

EG 520 („Nun legen wir den Leib ins Grab“)
Foto: U. Härtig

7. Auferstehung

Nach Gottes Logik kommt der achte Tag. Die Woche beginnt nicht im alten Sieben-Tage-Schema wieder von vorn. Gott zählt weiter. Der achte Tag ist der Tag, der alles neu werden lässt.

Jesus Christus ist auferstanden. Kraftvoll und stark. Er trägt die Siegesfahne in der Hand. Kein Wächter, kein Grab und kein schwerer Stein können ihn aufhalten. Er macht sich auf den Weg zu Gott, seinem Vater.

Doch nicht einmal jetzt ist das Kreuz weg. Wie sollte es auch? Dazu gehen Schmerz und Tod viel zu tief. Und ohne Kreuz keine Auferstehung. Nur durch den Tod hindurch beginnt das neue Leben.

Aber das Kreuz beginnt zu leuchten – wie der Auferstandene. Es nimmt eine andere Bedeutung an, wird zum Zeichen des Lebens.

Ist das nun das Ende des Kreuzweges?

Für mich ja.

Der US-amerikanische Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller George Orson Wells (1915-1985) hat einmal gesagt: „Wenn du ein Happy End willst, hängt das natürlich davon ab, wo du deine Geschichte aufhören lässt.“

Für mich soll die Geschichte nicht mit dem Tod enden. Ich will nicht, dass der Tod siegt.

Das habe ich für mich beschlossen.

Ich will das Leben.

Darum glaube ich.

EG 98 („Korn, das in die Erde“)

Dieser Bilderkreuzweg fand am 16.03.2021 in der Kirche Kleinbardau statt.

Ev.-Luth. Kirche zu Großbardau, Kirchenschiff (restauriert sind bisher nur Empore und der Gekreuzigte) Foto: S. Donner

Zu den Großbardauer Emporenbildern

Im Herbst 2020 wurden die insgesamt 35 Emporenbilder der Ev.-Luth. Kirche Großbardau, die heute noch vorhanden sind, von Dipl.- Rest. Uwe Härtig aus Leipzig restauriert.

Die Bilder stammen nach derzeitigem Wissen aus barockem Bestand. 1689 wurden neue Emporen mit 66 bemalten Tafeln errichtet. Doch nicht alle Bilder haben überlebt, auch weil die Emporen in der Kirche Großbardau mehrfach verändert wurden.

Die derzeitigen Emporen sind 1933/34 im Rahmen des Reinhardtprogramms neu eingebaut und 35 ausgewählte Bilder aus dem alten Bestand darauf angeordnet worden. Die restlichen Bilder sind verschollen.

Der Leipziger Maler Emil August Moritz Block (1884-1966) überarbeitete die Bilder in Monochrom-Technik für den Wiedereinbau in der Großbardauer Kirche und stellte von einigen Kopien her, da die Emporen in Richtung Altar nun eine Krümmung aufwiesen. Als kurz zuvor fertiggestelltes Hauptwerk von E. Block gilt die Ausgestaltung der Bethanienkirche in Leipzig-Schleußig (1931-1934).

Dank

Im Namen der Kirchgemeinde Großbardau- Kleinbardau- Bernbruch danke ich der Denkmalpflege vielmals für die finanzielle Unterstützung der Restaurierungsarbeiten und die begeitende Beratung, Dipl.- Rest. U. Härtig für die gelungene Restaurierung der Emporenbilder, Dipl- Ing. O. Kluge für die langjährige Baubegleitung und die wohlwollende, auch finanzielle Unterstützung durch unsere Landeskirche.

Kantor Reinhard Peldszus (Trebsen) danke ich herzlich für das Einspielen der Choräle.

Pfarrerin Susann Donner im März 2021

Steinkreuzweg für Kinder

Dieser Steinkreuzweg entstand im Jahr 2020.

In Kleinbardau bei Grimma (Sachsen) findet in jedem Jahr in der Passionszeit ein Bilderkreuzweg statt. Mit Bildern, Orgelmusik und Gebeten denken wir über das Leiden nach und gehen Jesu Weg mit.

Im Jahr 2020 war uns das auf diese Weise leider nicht möglich. Deshalb ist die Idee des Steinkreuzweges entstanden. Acht Bilder, mit Acrylstiften auf Stein gemalt, folgen dem Leidensweg Jesu bis Ostern. Sie waren entlang des Friedhofsweges ausgelegt, so dass jeder bei seinem persönlichen Spaziergang dem Kreuzweg folgen konnte. Die folgende Kreuzwegversion ist für Kinder entstanden.

Steinkreuzweg

Manchmal müssen wir Wege gehen, vor denen wir uns fürchten. Wir können nicht einfach davonlaufen. Wir können auch nicht einfach gar nichts tun. Wir müssen mit unserer Angst weitermachen.

Wir können uns aber auf unserem Weg Gott anvertrauen. Wir vertrauen darauf, dass er es gut werden lässt. Selbst wenn es nicht danach aussieht. Denn unser Gott liebt das Leben.

Deshalb erzähle ich dir von Jesus in Jerusalem. Ich erzähle dir vom Kreuzweg.

1) Jesus war mit seinen Freunden, den Jüngern, an vielen Orten in Galiläa unterwegs gewesen. Er hatte Menschen von Gott erzählt, hatte geheilt und außergewöhnliche Dinge getan. Viele Menschen hatten von ihm gehört.

Jetzt ist er mit den Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem. Sie wollen dort das Passahfest feiern. Jesus weiß, er hat Feinde in Jerusalem. Doch er fühlt, dass er jetzt nach Jerusalem gehen muss.

Unterwegs besorgen ihm die Jünger einen Esel. So kommt Jesus auf einem Esel nach Jerusalem. Als er die Straße entlangreitet, jubeln ihm die Menschen zu. Sie feiern ihn wie einen König. Sie legen Palmenzweige und Kleidungsstücke auf den Weg wie einen Teppich.

Wie passen Jubel und Angst zusammen?

Kann der Jubel die Angst wegwischen?

Oder wischt die Angst den Jubel weg? Jesus weiß, dass die Menschen ihn nicht verstanden haben. Das was sie von ihm erwarten, kann er ihnen nicht geben. So ein König ist er nicht.

2) Am Abend sitzt Jesus mit seinen Freunden beieinander beim Passahmal. Sie feiern das große Freiheitsfest. Sie erinnern sich: Gott hat das Volk Israel aus der Gefangenschaft in Ägypten befreit. Das ist ein Freudenfest. Ein Gott, der so etwas tut, der liebt das Leben. Auf den kann man vertrauen.

Als sie so beieinandersitzen, nimmt Jesus plötzlich das Brot. Er teilt es mit seinen Freunden und sagt: „Das ist mein Leib für euch gegeben“. Danach nimmt er den Kelch: „Das ist mein Blut, das für euch vergossen wird“.

In die Freude zieht eine ernsthafte Stille ein. Was tut Jesus da? Was meint er damit?

Dass Jesus von seinem Tod spricht, wissen die Freunde nicht. Darauf sind sie nicht vorbereitet.

Dem Tod gehen die meisten Menschen lieber aus dem Weg.

3) Es ist dunkel. Nicht nur die Nacht draußen, auch in Jesus drin ist es dunkel. Er hat Angst vor dem, was kommen wird. Von seinen Freunden umgeben, fühlt er sich allein. In einen Garten zieht er sich zurück, um zu beten.

An Gott kann ich mich wenden, wenn mir sonst keiner hilft. An Gott kann ich mich wenden, wenn meine Ängste mich zu verschlingen drohen.  An Gott kann ich mich wenden, wenn ich Kraft brauche. Deshalb betet Jesus. Dann kommen die römischen Soldaten und nehmen ihn gefangen. Judas, ein Freund, hat Jesus verraten. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

4) Jesus wird zu Pontius Pilatus gebracht. Pontius Pilatus ist römischer Präfekt. Das ist einer, der bei den Römern viel zu sagen hat. Er soll feststellen, ob Jesus an etwas schuldig ist. Dann müsste Pontius Pilatus ihn verurteilen. Doch Pontius Pilatus kann keine Schuld bei Jesus finden.

Viele Menschen in Jerusalem wollen trotzdem, dass Jesus stirbt. Sie schreien: „Ans Kreuz mit ihm!“.

Pontius Pilatus wäscht sich die Hände. Mit der Verurteilung von Jesus will er nichts zu tun haben. Seine Hände sind sauber. Keiner nimmt gern Schuld auf sich. Lieber versuchen wir, sie anderen zuzuschieben. Aber geht Schuld davon weg?

5) Jesus wird verurteilt. Er muss selbst den schweren Balken nach Golgotha schleppen. Dort auf dem Berg soll er gekreuzigt werden.

„Der trägt sein Kreuz“, sagt man über Menschen, die etwas Schweres im Leben aushalten müssen. Solche Menschen müssen mit einer schweren Krankheit leben. Oder etwas Wichtiges in ihrem Leben hat nicht geklappt. Oder ihnen ist ein lieber Mensch gestorben.

Leid und Schmerz aushalten, das braucht viel Kraft. Jesus hat sein Kreuz getragen. Er ist seinen Weg weiter gegangen.

6) Als Jesus gefangen genommen worden war, verspotteten ihn die Soldaten. Sie setzten ihm eine stachelige Krone aus Dornenzweigen auf den Kopf. Sie schlugen ihn. Sie fielen vor ihm auf die Knie und riefen: „Sei gegrüßt, du König der Juden!“

Jetzt auf dem Berg Golgotha nageln die Soldaten Jesus an Kreuz.

Immer wieder fügen Menschen anderen Menschen Schmerz zu. Manchmal sind die Wunden äußerlich sichtbar. Andere Verletzungen, die wir einander zufügen, können wir nicht sehen. Wir spüren sie nur ganz tief in uns drin. Sie entstehen durch böse Worte oder wenn wir bei etwas nicht dabei sein dürfen, wo wir gerne dabei wären.

Das uns so etwas passiert, das möchten wir nicht. Doch immer wieder tun wir so etwas anderen an. Jesus nimmt all diese Verletzungen und die Schuld mit an seinem Kreuz. Er bringt sie zu Gott.

7) Jesus hängt am Kreuz. Mit ihm sterben zwei Verbrecher. Jesus fühlt sich von Gott verlassen.

„Warum?“, fragen viele, denen etwas Schlimmes geschieht, „Warum passiert mir das?“. Wem etwas Schlimmes widerfährt, der kann Gott manchmal nicht mehr spüren. Er zweifelt an Gott. Er fragt: „Gibt es dich wirklich, Gott? Was für ein Gott bist du?“

Alles scheint sinnlos. Alles ist zu Ende. Manchmal ist es kaum noch auszuhalten.

Das hat Jesus am Kreuz auch erlebt. Er kennt den Schmerz. Er kennt das Verlassen-Sein.

Mit Jesus, seinem Sohn, hat Gott mitgelitten. Er leidet mit jedem Menschen mit, dem Schlimmes widerfährt. Er verlässt uns nicht, auch wenn wir ihn nicht spüren können.

8) Jesus ist tot. Begraben. Ein dicker, schwerer Stein liegt vor dem Grab. Alles zu Ende.

Doch unser Gott ist ein Gott des Lebens. Der dritte Tag ist der Tag der Rettung.

Am ersten Tag der Woche machen sich die Frauen auf zum Grab von Jesus. Sie wollten den toten Körper von Jesus mit wohlriechendem Balsam einreiben.

Sie kommen am frühen Morgen am Felsengrab an. Doch der schwere Stein vor der Tür ist weggerollt.

Jesus ist auferstanden. Im Grab ist er nicht mehr zu finden. Er lebt. Seine Sache geht weiter.

Gott schenkt neues Leben. Er ist stärker als der Tod.

Wenn alles zu Ende scheint, bahnt Gott einen neuen Weg.

Gott verlässt keinen, der gestorben ist. Das hat er uns mit Jesus Christus gezeigt. Das ist unsere Zuversicht. Trage sie in deinem Herzen.

© Bilder und Text: Susann Donner